Welchen Weg geht Biogas? – Ulrich Schmack, Chef des Marktführenden Unternehmens, gibt eine Entwicklungsprognose für den Biogasmarkt.

Mittwoch, 22. Oktober 2008

Restaurant GourVin, München, 19 - 23 Uhr

Referent: Ulrich Schmack, Gründer und Mitglied des Vorstands der Schmack Biogas AG

Eigentlich habe er Architektur studiert, verrät Ulrich Schmack, 35, Mitglied des Vorstands der Schmack Biogas AG den Managern der local lounge München. „Aber ich hatte schon immer ein großes Interesse für autarke Systeme“. Was so lapidar klingt, war der Grundstein für eine kleine Revolution im Energiebereich und für eine rasante Unternehmensentwicklung: Vom ersten heimischen Experiment zur Biogasgewinnung mit ordinärem Kuhmist bis zum Bau der firmeneigenen Anlage 1995 lagen nur wenige Jahre. „Vielleicht sind wir etwas zu schnell gewachsen und mussten deshalb auch eine harte Restrukturierungsphase durchmachen“, lenkt der junge Unternehmer ein, „aber die Nachfrage der Energieversorger war überraschend“. Das Unternehmen, das Schmack vor 23 Jahren zusammen mit seinen Brüdern gründete, projektiert und baut Biogasanlagen - inzwischen mehr als 250 weltweit.

Vom Tisch: Keine ‚Teller-Tank-Diskussion’

„Einer unserer größten Vorteile ist, dass wir uns nicht, wie es zum Beispiel bei Biodiesel der Fall ist, der aktuellen Diskussion ‚Teller oder Tank’ stellen müssen,“ verweist Schmack auf eine positive Ökobilanz. Denn hier werde nicht auf Monokulturen und landwirtschaftliche Produkte wie Raps, Getreide und Maissilage gesetzt, die starken Preisschwankungen unterliegen, sondern sämtliche Feldfrüchte oder in Zwischenfruchtphasen schnell wachsende Gräser genutzt, die Biomasse ohne Nahrungsmittelkonkurrenz bilden. „Vergoren werden kann fast alles. Ernterückstände und Energiepflanzen, organische Abfälle, Lebensmittel, Mist und Gülle.“ Experten sprechen von ‚auf maximale Biodiversität’ ausgerichteten Anlagen.

Insbesondere der ‚Biogas-Blend’ sei bei Energieversorgern gerade angesagt und Biogas werde sich als fester Bestandteil des zukünftigen Energiemix etablieren, berichtet Schmack. „Der Eon Standort in Schwandorf kann derzeit 9.000 Haushalte mit Strom versorgen, erzeugt 93 Mio. kWh Biogas pro Jahr, womit 9,5 Mio. Liter Heizöl substituiert werden, und benötigt dafür ungefähr 1.500 ha Versorgungsfläche.“ Neben Eon haben auch RWE und Vattenfall Investitionspläne.

Regenerative Energie boomt

Das Thema regenerative Energie boomt rund um den Globus und bringt permanent neue Impulse, Projekte und internationale Kooperationen hervor. Die Firma Solitem aus Aachen beispielsweise vermag aus Sonnenlicht nicht nur Wärme, sondern mittels neuer Technologie auch Kälte zu produzieren - jetzt schon garantierter Exportschlager nach Jordanien, Marokko oder in die Türkei. Auf Windenergie setzt der Chef von Suzlon Energy aus Indien. Ebenfalls jemand der ‚autark’ sein wollte und Mitte der Neunziger, damals noch als Textilunternehmer, zwei Windturbinen kaufte, um Energieengpässe und Preisbindungen zu umgehen. Schnell erkannte er das Potential der Windenergie, sattelte um, und führt jetzt das fünftgrößte Unternehmen der Windenergie-Branche weltweit.

Im Vergleich zu internationalen Solar- und Windparks hat die Gewinnung von Biogas noch starken Regionalcharakter - auch wenn Unternehmen wie die Schmack Biogas AG Anlagen bis nach Japan liefert. Es werden die Synergien vor Ort genutzt, ortsansässige Landwirte eingebunden und das Gas vorrangig in lokale Netze eingespeist. Eben eher wie eine Sparkasse: konservativ und lokal - aber solide.

„Je nach dem wie stark die Krise die Energieversorgung beeinflusst, wird Biogas schnell wettbewerbsfähig mit Erdgas. Momentan kostet Biogas 7,5 und Erdgas 4,5 Cent/kWh.“ Natürlich bestehe immer ein Zusammenhang zwischen Energie- und Rohstoffpreisen, aber das Unternehmen arbeite stark an der Technologie. „Eine Preissenkung um 30% ist unser Ziel.“ Der Experte jedenfalls ist optimistisch und setzt konsequent auf die drei Säulen Wind, Sonne - und vor allem natürlich auf den stabilen Faktor Biogas: „Denn wir können auch Energie liefern, wenn kein Wind weht. Und wenn keine Sonne scheint!“

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