Technologietransfer von analog zu digital – Hat die digitale Film- und Kameratechnik ihren Siegeszug schon angetreten?
Mittwoch, 17. Dezember 2008
KINO der ARRI AG (ARRI Kino)
Referent: Prof. Dr. Dejan Ilic, Vorstandsvorsitzender der Arri AG
Weltmarktführer Arri AG, Schwabings digitale Traumfabrik
Von Christoph Hardt
Wenn irgendwo auf der Welt ein Kinofilm gedreht wird, dann hat mit großer Wahrscheinlichkeit die Münchener Arri AG ihre Finger im Spiel. Das Unternehmen ist seit langem Weltmarktführer und konnte mit der einmaligen Qualität ihrer Kameras auch die Traumfabrik Hollywood erobern. Nun steht ein revolutionärer Schritt an - der nicht jeden begeistert.
MÜNCHEN. Blut ist nicht gleich Blut, schon gar nicht auf der Leinwand. "Rot, richtiges Rot, das müssen sie mit digitaler Technik erst einmal hinbekommen", sagt Dejan Ilic. Er ist Vorstandschef der Münchener Traditionsfirma Arri. Echte Cineasten wissen jetzt, worum es sich dreht. Ilic hat den Plan gefasst, den Weltmarktführer für professionelle Filmkameras in die digitale Ära zu führen. Glaubt man dem gebürtigen Serben, dann ist sein Unternehmen bestens unterwegs: "Wir haben uns ein anspruchsvolles Ziel vorgenommen."
Film und digital, das klingt wie Schnee von gestern, da eine Handycam im Supermarkt für nicht einmal 200 Euro zu haben ist. Stimmt aber nicht, bis heute werden 95 Prozent aller professionellen Kinofilme mit analoger Technik hergestellt - und die kommt in neun von zehn Fällen von niemand anderem als Arri. […]
Mit Film und Pixeln nach Hollywood
Anlauf: Vor wenigen Wochen hat die Arri AG ihr 90. Gründungsjubiläum gefeiert. Der weltweite Siegeszug der Tüftler August Arnold und Roland Richter begann in einer ehemaligen Schusterwerkstatt in Schwabing, die begeisterten Cineasten reparierten zunächst Filmkameras, dann bauten sie ihre eigenen. 1937 kommt ihr erster Bestseller, die Arriflex 35, auf den Markt. Nach dem Zweiten Weltkrieg erobern die Münchener Hollywood. Die Firma nennt drei Oskars ihr eigen.
Aufbruch: Seit gut einem halben Jahr führt der Elektrophysiker Dejan Ilic das Traditionshaus. Er will Arri in die digitale Ära führen. Das ist auch technisch ein Wagnis: Wegen der unglaublich hohen Mengen zu verarbeitenden Datenmaterials erreichen digitale Filmkameras bis heute nicht die Qualität ihrer analogen Pendants. Um 30 bis 40 Prozent will Ilic mit dem Sprung ins digitale Zeitalter in den kommenden Jahren wachsen.
Der 1957 im serbischen Smederevo geborene Dejan Ilic verfügt über eine langjährige Karriere in der Varta AG, in die er 1987 einstieg. Als Mitglied der Geschäftsleitung und Chief Technical Officer ist Dejan Ilic ab 1992 für die technische Entwicklung des Konzerns verantwortlich. 1996 leitet er die Entwicklung der modernsten Anlage zur Herstellung von Microbatterien und verlagert in der Folge gegen den in Deutschland starken Management-Trend 500 hoch spezialisierte Arbeitsplätze von Singapur ins schwäbische Ellwangen. Ab 2001 leitet er die Varta Microbattery alleinverantwortlich als CEO, die von einem Profit-Center als Spin-Off der sukzessive von der Besitzer-Familie Quandt verkauften Varta AG innerhalb von nur zehn Jahren zu einem weltweit operierenden Unternehmen mit rund 160 Mio. Euro Umsatz und zum Weltmarktführer für aufladbare Mini-Energiespeicher wird. Allein in den letzten drei Jahren meldete das Unternehmen etwa 180 Patente an, seit 1996 waren es mehr als 500.
2005 wird Dejan Ilic mit dem Unternehmerpreis »Entrepreneur des Jahres 2005« ausgezeichnet, Anfang 2007 überreicht ihm Wirtschaftsminister Glos für die Varta Microbattery GmbH den Innovationspreis 2006 der deutschen Wirtschaft.
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