Innovations- und Kostenführerschaft – High Tech aus dem Hochkostenstandort Deutschland
Mittwoch, 08. Oktober 2008
Mandarin Oriental Hotel München
Egon W. Behle, seit 2008 Vorstandsvorsitzender der MTU Aero Engines, weiß genau wovon er redet. Er ist studierter Diplom-Ingenieur und bekleidete im Laufe seiner Karriere leitende Aufgaben in maßgebenden Unternehmen der Technologiebranche, wie Bosch, Dornier und MAN, zuletzt seit 2002 den Vorsitz der Geschäftsführung der ZF Lenksysteme GmbH. „Seit meinem Studium der Luft- und Raumfahrttechnik in den frühen Achtzigern hat ein markanter Paradigmenwechsel stattgefunden. Damals hieß es: Entweder ein Unternehmen ist die Nummer eins in Innovation oder Kostenführer - beides geht nicht. Diese Aussage trifft heute ganz klar nicht mehr zu!“
Innovation um jeden Preis?
Um global gut aufgestellt zu sein, müsse ein Unternehmen zwingend sowohl innovationsorientiert, als auch kostenfokussiert agieren. „Nehmen Sie BMW und Toyota als Beispiel. Ersterer setzt rein auf Technologie und schafft hervorragende, aber teure Produkte. Der andere Hersteller geht dazu stark über den Preis.“ Der durchschlagende Erfolg des japanischen Automobilherstellers ist allseits bekannt. Generell verursacht das Thema Innovation und Spezifikation im Unternehmen extrem hohe Kosten. Problematisch: Im Laufe der Produktentwicklung werden die Finanzen oft schlichtweg missachtet. Ein prominentes Beispiel aus der Automobilbranche ist der VW Golf V. In Entwicklung und Produktion war dieses Modell teurer als geplant-bei Markteinführung musste er mittels aufpreisfreier Klimaanlage subventioniert werden.
Fortschritt „made in Germany“
Ein Unternehmen aus einem Hochkostenstandort, das eine global akzeptable Preisgestaltung anstrebt, kommt somit nicht umhin, auf die Fertigungsstruktur in Niedriglohnländern zurückzugreifen und sich damit von den Wettbewerbsnachteilen abzukoppeln. „Warum hat in Deutschland Innovation keinen so hohen Stellenwert? Warum muss beispielsweise in Bayern ein Projekt wie der Transrapid scheitern?“ greift Behle eine wichtige Frage auf und analysiert: Neben der weit verbreiteten Technikfeindlichkeit, die oft schon in der Erziehung begründet ist und dringend eines Wandels bedarf, sieht sich die Forschung, vor allem im Bereich Pharma und Gentechnik, mit zahlreichen gesetzlichen Restriktionen konfrontiert. Außerdem sprechen Experten und Volkswirte zu Recht von einem Mangel an Wagniskapital. Die Fördermittel seien nicht umfassend genug, die Konzepte selten wirklich stringent.
Strategische Balance erreichen
Ein Quantensprung in der Technologie bedarf höchster ‚Management Attention’, das hat Behle im Laufe der Jahre gelernt. Es gelte dabei, das gesamte Team in den Prozess einzubeziehen und zu vermitteln, wie man kostenorientiert designed. Bei neuen Produkten müsse der Kostenrahmen, zum Beispiel durch ‚Target Costing’, gleich implementiert werden.
Ein internationales Vorzeigeunternehmen für gelungene Umsetzung ist Hewlett-Packard. Im hart umkämpften IT-Hardwarebereich, in dem ein Hersteller permanent ‚Competitive Advantage’ und gleichzeitig innovative Produkte bringen muss, wie leichtere Notebooks oder langlebigere Akkus, hat sich HP durch drastische Senkung der Entwicklungs- und Vertriebskosten sowie durch konsequente Innovation zum Weltmarktführer für PC an Dell vorbeigeschoben und ist heute profitabler denn je.
Um auf der Kostenseite alle Potentiale auszunutzen, solle man außerdem Kreativität zulassen. Und Hartnäckigkeit beweisen. Zusätzlich müssen alle Möglichkeiten zur Kostenreduzierung identifiziert werden, im ‚Work In Process’ ebenso wie im Waste Management und in der Logistik.
Bayer MaterialScience beispielsweise gelang durch innovative Prozesstechnologie ein konkurrenzloses Verfahren zur Herstellung von Polyurethan-Weichschaum, der weltweit in Polstermöbeln oder Autositzen verwendet wird. Dadurch ließen sich 80 Prozent der erforderlichen Lösungsmittel und etwa 40 Prozent an Energie einsparen, was insgesamt zu einer Reduzierung der Investitionskosten von beachtlichen 20 Prozent führte.
„In Deutschland haben wir zwar hohe Arbeitskosten, aber auch hervorragende Fachkräfte und exzellente Ingenieure“, schließt Behle. „Es ist wichtig, die Ressourcen richtig einzusetzen, mit der richtigen Zielsetzung. Dann sind unsere Produkte weltweit extrem wettbewerbsfähig und sichern uns eine langfristige Positionierung.“
EXKLUSIVER PARTNER
manager-lounge - der Business Club des manager magazin
Gemeinsame Veranstaltungsreihe mit P+P Pöllath + Partners und BLÄTTCHEN & PARTNERS >>mehr