manager-magazin.de 01/09
local lounge München 26.11.08
Der Dreiklang des Erfolgs
Von Helmut Reich
Ein Unternehmen führen oder ein Orchester dirigieren - der Unterschied ist gar nicht so groß. Der Dirigent Christian Gansch gab den Mitgliedern der manager-lounge anhand origineller Musikbeispiele Tipps, wie man andere für seine Ideen begeistert, die Wahrnehmungskraft schärft und Stress souverän bewältigt.
München - Musik von Sergej Rachmaninow anstatt einer Powerpoint-Präsentation. Erfrischend ungewöhnlich ist nicht nur der Vortragsstil, sondern auch das Thema der manager-lounge-Veranstaltung in München: "Vom Solo zur Sinfonie - was Unternehmen von Orchestern lernen können". Doch Referent Christian Gansch zieht seine Zuhörer im Restaurant GourVin sofort in seinen Bann - keine Überraschung für jemanden, der weltweit vor großen Häusern mit renommiertesten Orchestern aufgetreten ist.
Der Österreicher dirigierte unter anderem das englische BBC Orchester, das City of Birmingham Symphony Orchestra, das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin, das Russian National Orchestra und das Pariser Orchestre Philharmonique de Radio France. Zu den Höhepunkten seiner Karriere gehört die 9. Symphonie von Beethoven mit dem Orchestra Teatro La Fenice in Venedig. Darüber hinaus produzierte er als Manager in die Musikindustrie weltweit über 190 CDs - mit Künstlern wie Pierre Boulez, Claudio Abbado und Anna Netrebko.
Seine internationalen Erfahrungen in der Musik- und Wirtschaftswelt bilden das Fundament für seine Tätigkeit als Referent und Experte für Unternehmensführung. Gansch analysiert nun die Strukturen und Arbeitsabläufe von Orchestern und zeigt anhand von Beispielen, wie inspirierend ein Transfer orchestraler Lösungsstrategien für Unternehmen sein kann.
"Es gibt viele Parallelitäten zwischen Unternehmens- und Orchesterstrukturen", sagt Gansch: "So spielen in Toporchestern über 100 international rekrutierte Spitzenkräfte - mit dem Unterschied zu einem Konzern, dass sie statt in großzügig eingerichteten Einzelbüros auf engstem Raum sitzen, also quasi wie bei einem Dauerseminar."
Doch vieles, was in Orchestern klischeemäßig als emotional interpretiert wird, seien prozessoptimierte Abläufe, berichtet der Musikfachmann. "Auch die Exzentriker wissen, dass es keinen Sinn hat, 100 verschiedene Privatversionen einer Sinfonie anzubieten", so Gansch. Jeder Star müsse also wissen, wann sein Solo vorbei ist. "Und auch die Pauke braucht Präsenz im entscheidenden Moment."
Denn im Orchester gibt es genauso wie in einem Unternehmen verschiedene Abteilungen, das Wechselspiel der Kräfte ist dementsprechend wichtig. "In den Proben sind Konfliktbereitschaft und Reibungsprozesse wichtig, um beim Konzert Harmonie zu erzeugen", berichtet Gansch.
Die Identität einer Cello-Gruppe — Wichtig sei, dass alle Mitspieler gegenseitig ihre Motive und Ansichten einschätzen können. Offene Karten sind hier von Vorteil. "Nicht eine von vornherein übereinstimmende Meinung schafft Harmonie, sondern die Offenheit im Umgang mit Unterschiedlichkeit", sagt Gansch.
Für die Position des Dirigenten beziehungsweise des Unternehmenslenkers nennt er sein Erfolgsrezept: "Dirigieren nach Inhalt und nicht nach Ego - das wünsche ich mir auch für die Wirtschaft". Gerade in schwierigen Zeiten wie in diesem Jahr würde das der Wirtschaft gut tun. "Die Finanzkrise beweist es, wir haben den Tunnelblick idealisiert", so Gansch zum Verhalten in Stresssituationen: "Im Tunnel handelt man souverän, die Lebenswirklichkeit ist dann oft zu komplex. Ein guter Dirigent nimmt wahr, was ihn verunsichert."
"Wahrnehmen - entscheiden - handeln" sind deshalb laut Gansch auch die drei wichtigsten Schritte zu mehr Führungskompetenz. Nur wer Entscheidungen auf einer ausgewogenen Wahrnehmung gründet, gewinne die nötige Sicherheit, Situationen richtig einzuschätzen und Widerstände besser auszuhalten. "Ich kann nicht auf Dauer gegen die Identität einer Cello-Gruppe dirigieren. Das merkt das Publikum - beziehungsweise die Kunden".
Führungskräfte haben die Pflicht, zu informieren. Jedes einzelne Instrument muss wissen, in welchem Kontext es steht, sonst fehlt die Motivation. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, doch in der Alltagsroutine von Führungskräften gerät dies häufig in Vergessenheit. "Routine ist Stillstand", lautet daher das Fazit des Referenten.
Als Beispiele für den Dreiklang des Erfolgs spielt Gansch den Mitgliedern der manager-lounge originelle Beispiele aus der Welt der Musik vor, darunter italienische und französische Orchesterarbeiten. Für das Wechselspiel der Kräfte standen Ausschnitte aus dem Mambo "Westside Story-Dances" von Leonard Bernstein. Und die eher ruhigen "Sinfonischen Tänze" von Sergej Rachmaninow zeigten hingegen, dass es auch Momente geben muss, in denen sich das Orchester besser zurückhält.
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