manager-magazin.de 11/08
local lounge München 8.10.08
Genial und günstig
von Renate Lüdke
Hamburg - Konzerne wie Toyota oder Hewlett-Packard zeigen, wie es geht. Ihre Marktposition haben sie nicht nur mit technisch ausgefeilten Produkten erarbeitet, sondern auch über den Preis. MTU-Aero-Engines-Chef Egon W. Behle erläuterte den Mitgliedern der manager-lounge das richtige Verhältnis zwischen Innovation und Kostenführerschaft.
Kurz habe er überlegt, den Schwerpunkt seines Vortrags zu ändern, gab Egon W. Behle zu. "In Anbetracht der Finanzkrise ist das Thema Innovations- und Kostenführerschaft allerdings mehr denn je entscheidend, um die Position eines Unternehmens im Weltmarkt zu sichern", folgerte Behle und sprach vor den Gästen der local lounge München wie geplant zum Thema "Hightech aus dem Hochkostenstandort Deutschland".
"Früher hieß es: Entweder ein Unternehmen ist die Nummer eins im Bereich Innovationen oder Kostenführer - diese Aussage trifft heute ganz klar nicht mehr zu", so der Vorstandschef der MTU Aero Engines . Um global gut aufgestellt zu sein, müsse ein Unternehmen zwingend sowohl innovationsorientiert als auch kostenfokussiert agieren.
Eine Tatsache, die allerdings nur schwer in die Praxis umzusetzen ist: "Nehmen Sie BMW und Toyota als Beispiel. Ersterer setzt rein auf Technologie und schafft hervorragende, aber teure Produkte. Der andere Hersteller geht dazu stark über den Preis." Der durchschlagende Erfolg des japanischen Automobilherstellers ist bekannt.
Behle sah sich in seiner Laufbahn häufig vor die Aufgabe gestellt, technikorientierte Unternehmen zu Wettbewerbsfähigkeit und Kosteneffizienz zu führen. "Meist war das Triebwerk, das Robotergetriebe oder die Plattform für Elektrolenkungen ein technologisch perfektes Produkt – aber erheblich teurer als der vorab vereinbarte Festpreis." Mit teilweise bis zu 30 Prozent Mehrkosten stellten diese Projekte eine enorme Belastung für das gesamte Unternehmensergebnis dar.
Problematisch ist, dass im Laufe der Produktentwicklung die Finanzen oft vernachlässigt werden: "Ein prominentes Beispiel aus der Automobilbranche ist der VW Golf V. Schon in der Entwicklung und später auch in der Produktion war dieses Modell teurer als sein Vorgänger – und übrigens auch als sein Nachfolger, dafür mit verhältnismäßig wenig innovativen Elementen ausgestattet", so Behle.
"Die Kosten liefen hier schnell aus dem Ruder, und der Preisdruck anderer Hersteller führte schließlich dazu, dass das Fahrzeug, um preislich attraktiv zu bleiben, schon bei Markteinführung mittels aufpreisfreier Klimaanlage subventioniert werden musste."
Der Blick auf die Kalkulation und die absolute Transparenz des Aufwands ist für Behle eine zwingende Notwendigkeit. "Ein Freiraum wie bei 'Jugend forscht' existiert leider nicht", bedauert der Manager. Ein Unternehmen aus einem Hochkostenstandort, das eine global akzeptable Preisgestaltung anstrebt, komme somit nicht umhin, auf die Fertigungsstruktur in Niedriglohnländern zurückzugreifen und sich damit von den Wettbewerbsnachteilen abzukoppeln. Läuft es günstig, gelinge auch im produzierenden Land der Markteintritt.
"Doch warum hat in Deutschland Innovation keinen so hohen Stellenwert? Warum muss beispielsweise ein Projekt wie der Transrapid scheitern?", fragt Behle und analysiert: "Neben der weitverbreiteten Technikfeindlichkeit, die oft schon in der Erziehung begründet ist und dringend eines Wandels bedarf, sieht sich die Forschung, vor allem im Bereich Pharma und Gentechnik, mit zahlreichen gesetzlichen Restriktionen konfrontiert." Außerdem existiere ein Mangel an Wagniskapital."
Die Fördermittel seien nicht umfassend genug, die Konzepte selten wirklich stringent. Das von Behle geführte Unternehmen MTU Aero Engines pflegt daher ein Technologienetzwerk mit führenden Instituten und Hochschulen.
Als ein internationales Vorzeigeunternehmen für gelungene Umsetzung nennt Behle Hewlett-Packard : "Im hart umkämpften IT-Hardwarebereich hat sich der Konzern durch drastische Senkung der Entwicklungs- und Vertriebskosten sowie durch konsequente Innovation zum Weltmarktfüher für PC an Dell vorbeigeschoben und ist heute profitabler denn je".
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